Ob Moderne Kunst, Mode, Portraitmalerei, Aktzeichnungen, Skulpturen, Aquarelle oder Ausstellungen der besonderen Art, London ist sicherlich auch diesbezüglich eine der spannendsten Städte in Europa. Weltkunst zum Teil zum Nulltarif, das zeichnet die Stadt an der Themse aus. Wenn der Herbst ebenso verregnet wird wie der Sommer, den London-Besucher soll das nicht stören: Die Stadt, die sich ihrer rund 200 Museen und Galerien rühmen kann, bietet ein Kulturerlebnis für jeden Geschmack. 70 Museen, darunter so Häuser wie die Tate Britain oder die Tate Modern, das Victoria & Albert Museum oder das British Museum, zeigen Bilder von so berühmten Künstlern wie Picasso, J.M.W. Turner, Francis Bacon oder die Skulpturen von Auguste Rodin. Neben den Dauerausstellungen sind die Sonderausstellungen ein Besuchermagnet und Interessenten sollten sich schon frühzeitig ihre Karten reservieren.
Besonders im Herbst 2007 stehen wichtige Ausstellungen auf dem Programm, die schon jetzt bei Touristen und Londonern für gespannte Erwartung und Vorfreude sorgen dürften.
Wo kommen Skulpturen von Henry Moore besser zur Geltung als zwischen Blumen, Hecken, Bäumen und Wiesen? So sind vom 15. September 2007 bis 30. März 2008 28 Skulpturen des in Castleford in Yorkshire geborenen Bildhauers in Kew Gardens zu sehen. Gerade in dieser zauberhaften Umgebung des Botanischen Gartens wird man dem Credo des Künstlers gerecht, dass „die Wahrhaftigkeit dem Material gegenüber gewahrt“ werden müsse. Das heißt für Moore im Klartext, das eine Steinskulptur einem Stein gleichen muss – damit ist dem Natürlichen Genüge getan und das kommt am besten in der Natur zur Geltung.
Ab 15. September steht die Armee der chinesischen Terrakotta Soldaten im British Museum in Reih und Glied. Allerdings nicht, um dem Museumsbesucher Furcht und Schrecken einzujagen. Die Terrakotta Armee, besteht aus mehr als 7.000 mannsgroßen Soldaten, die zum Mausoleum Qín Shihuángdìs, einer Grabanlage aus dem Jahre 210 v. Chr., gehören, die für den ersten chinesischen Kaiser Qín Shihuángdì erbaut wurde. Die Grabanlage in China gehört seit 1987 zum Weltkulturerbe und ist eine der größten Grabbauten der Welt. Aufgabe und Pflicht der Soldaten war es, das Leben nach dem Tod des Kaisers zu schützen. Die Soldaten als solche bilden eine ganze Armee. Bemerkenswert an diesen Skulpturen ist, dass alle 7.278 Soldaten individuell gestaltet sind, also keiner dem anderen gleicht. Zur Ausstellung in London, die bis zum 6. April 2008 zu sehen ist, werden Funde aus älterer und jüngster Zeit zu sehen sein. Zu bestaunen sind einige dieser ehrwürdigen Soldaten für umgerechnet 18 Euro.
Absolutes Highlight in dieser Ausstellungssaison und von Londonern wie Besuchern mit höchster Spannung erwartet, ist die Tutanchamun Ausstellung in der O2- Arena, dem ehemaligen Millennium Dome im Osten Londons. Nach über 30 Jahren kehren die Schätze aus dem Grab des jugendlichen Königs vom 15. November 2007 bis 30. August 2008 nach Großbritannien zurück. Schon der Titel: “Tutankhamun and The Golden Age of the Pharaohs” verspricht eine Ausstellung der Superlative zu werden, wie die Vorverkaufszahlen zeigen. Die hier ausgestellte Sammlung umfasst 130 Schätze aus dem Tal der Könige, die den König auf seine Reise ins Jenseits begleitet haben. Da schon jetzt die Nachfrage nach Tickets für die Ausstellung enorm ist, sollte man einen Besuch erst fürs nächste Jahr einplanen. Verschiedene Ticketagenturen in Deutschland bieten Hotel- und Ticketpakete an. Der Vorverkauf der Tickets beginnt im September, Registrierung erfolgt per E-Mail über die Website von Visit London, www.visitlondon.com/tutankhamun/. Die Ticketpreise bewegen sich zwischen 22 Euro (werktags) und 30 Euro (Wochenende).
Außerdem ist im Rahmen der Ausstellung dem britischen Archäologen Howard Carter eine Sektion gewidmet, der 1922 die Grabstätte des Königs entdeckte. Parallel zur Ausstellung sei den Besuchern die ägyptologische Abteilung im British Museum empfohlen, zu der der Eintritt frei ist. Prunkstück an der Themse am Victoria Embankment ist Cleopatra’s Needle, der 22 Meter hohe Obelisk, 1450 v. Chr. erbaut, der der Stadt 1878 von der ägyptischen Regierung geschenkt wurde und auch das älteste Monument in London ist.
Eher Schrilles ist bei der Ausstellung „Pop Art Portraits“ in der National Portrait Gallery am Trafalgar Square vom 11. Oktober 2007 bis 20. Januar 2008 zu erwarten. Zum Preis von rund 13 Euro sind 52 der wichtigsten Portraits amerikanischer und britischer Pop Art Künstler zu bewundern. Zu ihnen zählen Andy Warhol, Roy Lichtenstein auf Seiten der Amerikaner oder Peter Blake und David Hockney auf britischer Seite. Die Ausstellung ist als eine Art Dialog über den Atlantik konzipiert und zeigt Portraits aus Werbung, Popmusik, Kino, Magazinen und Zeitungen. Die Ausstellungsstücke durchbrechen die gängigen Normen der Portrait Malerei und schaffen ein neues Genre von Fantasieportraits, die sich aus Comics, Zeitungen und Magazinen bedienen. Der „Göttin des 20. Jahrhundert“, Marilyn Monroe, ist eine eigene Abteilung gewidmet und unterstreicht die Besessenheit der Künstler dies- und jenseits des Atlantik, diese Popikone zu portraitieren.
Die Royal Academy widmet sich dagegen einem der größten Sammler britischer Kunstwerke. Unter dem Titel „A Passion for British Art, 1700 – 1850: Paul Mellon’s Legacy“ sind vom 20. Oktober 2007 bis 27. Januar 2008 100 Werke aus seiner Kollektion zu sehen, zu seinen Besitztümern zählen Bilder von Thomas Gainsborough, John Constable und William Turner. Der Eintritt zu dieser Ausstellung beträgt rund 12 Euro.
Ebenfalls in der Royal Academy sind vom 22. September bis 9. Dezember über 60 Bilder des umstrittenen in Sachsen geborenen Malers Georg Baselitz ausgestellt, der mit seinen Werken aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts wie zum Beispiel „Die große Nacht im Eimer“ die Gesellschaft provozierte und deswegen sogar seine Heimat, die damalige DDR, „wegen gesellschaftlicher Unreife“ verlassen musste. Der Eintritt für die Retrospektive beträgt rund 14 Euro.
Liebhabern von Aquarellen sei die Sonderausstellung in der Tate Britain empfohlen, in der bis Februar 2008 gut 150 Werke von William Turner zu sehen sind. Der zeitgenössische Maler David Hockney präsentiert im Rahmen dieser Werkschau seine eigene Auswahl an Aquarell Studien oder „Anfängen“ von Turners Maltechnik und gibt seine Erklärungen dazu. Der Eintritt in die Welt der Aquarelle ist frei.
Wen fotografische Kunstwerke eher faszinieren, dem sei vom 15. September 2007 bis 6. Januar 2008 eine Ausstellung im Victoria & Albert Museum empfohlen. Lee Miller gilt als eine größten weiblichen Ikonen der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Sie überzeugte durch ihr freies Denken, ihre Kreativität und Intelligenz, aber auch durch ihre natürliche Schönheit. Die Retrospektive zeigt ihren Wandel von der Muse zu einer herausragenden Künstlerin. Der Eintritt ist frei.
Glanz und Glamour stehen vom 22. September 2007 bis 6. Januar 2008 beim „Golden Age of Couture“ ebenfalls im V & A im Vordergrund. Modisches aus den Jahren 1947-1957 von britischen und Pariser Modeschöpfern, verleihen dieser Schau ihren Zauber. Schickes aus den Nachkriegsjahren gibt es auch hier zum Nulltarif. |